Es endete mit einem Knall…

Peng! – Mit einem lauten Knall verabschiedet sich der rechte Vorderreifen unseres Busses. Einfach so, ohne Vorwarnung, geruht er zu platzen. Das heißt, eigentlich hatten wir schon lange damit gerechnet. Auf dem Weg zum Botanischen Institut von Amani waren wir sicher, dass noch vor vollendeter Gipfelstürmung entweder der Auspuff oder ein Reifen das Zeitliche segnen würde. Und spätestens in den Uluguru-Bergen bei Morogoro, auf der Suche nach einer Außenstation der Sokoine University, war es abgemachte Sache, dass neben der Ölwanne auch mindestens ein Reifen den Trip nicht überleben würde. Aber nein, alle Strapazen auf den Pisten des Festlands steckte unser betagter Toyota Coaster fast spielend weg. Erst jetzt, auf Sansibar, mit einem etwas jüngeren Modell gleicher Bauart, fliegt uns ein Reifen um die Ohren – und zwar in dem Augenblick, in dem der Fahrer endgültig am Airport Zanzibar einparkt. Als wolle uns Tansania nun mit einem vernehmlichen Knalleffekt hinauswerfen. Und als solle dies erst geschehen, nachdem unser Programm bis auf den letzten Punkt abgewickelt haben.

Kaum zu glauben, aber bis dahin ist uns dies tatsächlich gelungen, trotz einer Reihe kleinerer und größerer Planungspannung und Abstimmungsschwierigkeiten. Noch heute, an unserem letzten Tag im Lande, kannte der Bildungseifer keine Grenzen. Den Vormittag über begleitete uns Abdul Sheriff, ehemaliger Professor der University of Dar es Salaam und einer der profundesten Kenner der Geschichte Sansibars wie auch des Indischen Ozeans. Nach einleitenden Worten in unserem Hotel, mit Ozeanblick aus dem Fenster der Lounge, führte er uns lebendig und unverdrossen durch die engen Gassen von Stone Town, der Altstadt Sansibars. Nun wissen alle über den Aufbau von Suaheli-Häuser, über die Klimatisierung tropischer Gebäude, über arabische, indische und afrikanische Stilelemente Bescheid. Oder etwa nicht? Für alle, die unterwegs den Überblick verloren haben, gab Abdul Sheriff nach dem Stadtrundgang unserer Filmcrew noch ein ausführliches Interview. Das Ergebnis wird in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft in den Online-Materialien des Lehrgebiets zu bewundern sein.

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Der endgültige Abschied von Tansania geriet dann unspektakulär. Der Fahrer des Busses traf zwar nicht sofort ein, denn er musste noch beten, aber rechtzeitig genug, um uns vor dem großen (Reifen-)Knall rechtzeitig am Flughafen abzuliefern. Zurückgelassen wurden die Filmcrew, die sich noch eine weitere Woche Dreharbeiten gönnte, Andreas Covi, der noch mit seiner Frau auf Safari ging, und Reiseleiter Henrik Lührs, den es nach Nairobi, Entebbe und Dubai zog (dass sein Weg am Ende ganz anders verlief, ist eine andere Geschichte …). Der gesamte Rest jettete nach Addis Abbeba, langweilte sich dort durch die halbe Nacht, flog pannenfrei weiter nach Frankfurt/Main und wurde in der Morgendämmerung an die dortige Gepäckausgabe gespült. Ein letzter Hand-Shake in der Runde. Farewell, see you soon. Schön war’s. Anstrengend war’s. Haben fertig.

 

Türen und Bahnhöfe – landestypisch

Und die Bilanz des Veranstalters? Diese zu ziehen hat jetzt doch ein paar Tage in Anspruch genommen. Der Alltag mit seinen Terminen und Deadlines hatte einen doch viel schneller wieder im Griff als gewünscht. Tja, woran erinnert man sich mit ein wenig Distanz am ehesten? Was bleibt längerfristig haften?

Türen und Bahnhöfe, wäre eine mögliche erste Antwort. Schon während der Fahrt haben sie sich immer wieder als Leitmotive in meine Wahrnehmung gedrängt. Das Thema „Infrastruktur“, das er für eine Filmsequenz vorbereitet, hat meinen Mitstreiter Henrik Lührs immer wieder nach den Bahnhöfen der alten deutschen Eisenbahnlinien fahnden lassen. Bald hatte er die Filmcrew so weit, dass sie bei jedem neuen Ort von sich aus nachfragten, wo denn dort der Bahnhof aufzunehmen wäre. Und so haben wir dann auch eine Reihe von ihnen gesehen auf unserer Reise. Solche, die kaum mehr wiederzuerkennen waren wie die Bergstation der Siggi-Schmalspurbahn in Amani, und solche, die noch ganz schmuck aussehen wie in Muheza und ihren Vorsteher zu Jubelarien über den „deutschen Genius“, der so stabile Bauten in die Usambara-Berge gesetzt hatte, verleitete.

An der Küste waren es dann die handgeschnitzten Türen, das berühmte Wahrzeichen der Suaheli-Kunst, die immer wieder Aufmerksamkeit erregten. Dass die zuständige Referentin, Barbara Traumann, wahrscheinlich die Hälfte der Speicherkarten ihrer Kamera mit solchen Türen füllte, spricht für den Enthusiasmus, mit dem sich FernUni-Studierende an ihre Referatsthemen machen. Nach Sichtung meiner eigenen fotographischen Ausbeute muss ich allerdings feststellen, dass die Begeisterung für handgeschnitzte Hauseingänge abgefärbt haben muss.

„Landestypisch“ ist auch so ein Wort, das in Erinnerung bleiben wird. In den Unterlagen des Reisebüros war unser Toyota-Bus als landestypisch angekündigt, ebenso unsere Hotels. Will man bösartig sein, kann man den zweifelhaften Sitzkomfort im Bus (an den meine Wirbelsäule gerade wieder erinnert) so bezeichnen, oder auch die permanente Unfähigkeit gewisser Kellner, halbwegs stimmige Getränkerechnungen zusammenzustellen. Wir sind aber nicht bösartig, auch wenn wir uns schnell darauf geeinigt hatten, etwaige Unzulänglichkeiten (Achtung: Wessi-Perspektive!) eben als landestypisch zu akzeptieren.

Wirklich landestypsich war jedoch die Freundlichkeit der Menschen, ihre unverwüstliche Entspanntheit (das beste Beispiel: unser Fahrer Dullah nach mehrstündigen Versuchen, steile Bergpisten zu bezwingen), die Offenheit und Bereitschaft tansanischer Kollegen, mit uns über Studium und Geschichte, über Gott und die Welt zu reden, die faszinierenden Überreste alter Kulturen und nicht ganz so alter Kolonialgeschichte, die vielfältige Natur und so manches mehr. Wen stört es da noch, dass wir das eine oder andere Mal über den Tisch gezogen wurden, dass nicht alle feinsäuberliche Planung aus Deutschland in Tansania ein Gegenstück hatte – landestypisch eben.

Noch eine andere Form von Unverwüstlichkeit wird mir lange in Erinnerung bleiben: diejenige unserer Hagener Fernstudierenden. Gerade auf dieser Reise, die in der einen oder anderen Beziehung doch etwas anders war als frühere Exkursionen. Ich will mir für einen Augenblick einbilden, dass man auch aus der Professorenperspektive einen realistischen Eindruck von der Stimmung in der Truppe bekommen kann – und stelle fest, dass diese eigentlich durch die Bank gut war, ja sogar im Laufe der Tour immer besser wurde. In der Hoffnung, dass mir dies niemand in guter postkolonialer Manier als Illusion dekonstruiert, war die Exkursion am Ende offenbar ein voller Erfolg. In diesem Sinne: jederzeit gerne wieder – wir sehen uns in Asien, in Amerika, im Orient, oder doch wieder in Afrika …

 Jürgen G. Nagel

Traumziel Sansibar

Nach einer Nacht im arabischen Palast, profanen Tembo Hotel, Stone Town, ausgestattet mit Antiquitäten, einem floh- und moskitosicheren Himmelbett und mit Mosaiken verzierten Bad genossen wir das Frühstück auf der Terrasse mit Meerblick, Dhaus und hölzernen Ausflugsbooten.

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Der Hamam  der persischen Prinzessin, die natűrlich Scheherezade hiess, war der erste Stopp auf  unserer Inselrundfahrt. Palmenhaine, die mageren Rindern als Weide dienten, begleiteten unseren Weg zur Gewűrzfarm Kizimbani.

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Hier werden Karren noch von Ochsen gezogen, den “Zanzibar Ferraris”.

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Exportprodukt Nr. 1 sind  die hier angebauten Nelken, die flinke Baumkletterer zweimal im Jahr ernten.

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Zitronengras, ultimatives Heilmittel  bei Augen-, Lern- und Verdauungsstőrungen, empfiehlt sich auch als duftende Seife. Ananas sind ein weiteres sansibarisches Geschenk an die lernende Menscheit. Täglich als Saft genossen, bringt es das Hirn in Schwung und sollte in den Semestergebűhren inkludiert werden.

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Getrocknete Curryblätter, vor das Fenster gehangen, sollen bőse Prűfungs- und andere Albträume fernhalten. Der Jodbaum ist ein klassisches Beispiel fűr die Nicht-in-Wertsetzung von lokalen Rohstoffen. “Solange Jod aus Europa importiert wird, kann es mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Zanzibar nichts werden” erklärte der der Guide mit viel Lokalpatriotismus. ” A man becomes really a man” mit Kurkuma, und es hilft sowohl pubertierenden Teenagern gegen Pickel als auch den Damen beim Abschminken.

Die Verwendung von Zimt in der traditionellen Heilkunde gerät leider immer mehr in Vergessenheit. Aus den Säften des Ylang-Ylang Baums, vermischt mit Kokosnussöl, wird Chanel Nr.0 hergestellt.

Henna vom Hennabaum ist Geschäftsgrundlage für alleinstehende Frauen, die sich als Alternative zu streitsüchtigen Ehemännern mit Hennabemalung ihren Lebensunterhalt verdienen.

Der Gebrauch von Vanille statt Zucker soll Diabetes und Herzprobleme verhindern. Im Rausch des Gewürze-Kaufens erstanden wir Muskatnüsse, rosa Tandoorigewürze und andere Körner, Blätter und Kerne in der Hoffnung, damit die Daheimgeblieben erfreuen zu können. “Made in Zanzibar” klingt doch cool.

Ein bisschen Betroffenheit zum Schluss der Rundfahrt stand allen gut: Die Besichtigung der Sklavenkammern, in der nach dem Verbot des Sklavenhandels und der Haltung derselben doch noch im Verborgenen mit Sklaven gedealt wurde, gehörte zu dem physisch anspruchsvollen Teil des Ausflugs.

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Nachmittags gab es ungewöhnlicherweise mal ein bisschen freie Zeit und abends ein stimmungsvolles  Suaheli-Farewell- Dinner mit  Taarab Musik und einer spontanen Modenschau von Henrik Lührs.

Monika Krämer und Michael Lüdtke

Der lange Weg nach Sansibar…

Heute steht  uns die  längste Etappe bevor. Ziel ist die Gewürzinsel Sansibar,die nach einer Busfahrt bis Dar es Salaam (320 km) und danach mit der Fähre erreicht wird. Abfahrt 06.00 Uhr.

Gleichzeitig ist es die letzte Fahrt mit unserem “Comfortbus”, der uns so richtig vertraut geworden ist und auf dem wir insgesamt ca. 2150 km und viele Stunden verbracht haben. Er hatte zwei wesentliche  Vorteile: Durch die komprimierte Sitzweise  in Verbindung  mit dem kollegialen Wechsel zwischen schlechten und noch schlechteren Plätzen wurden die Kommunikation und die sozialen Kontakte gefördert. Insofern hat der Bus  zur Teambildung beigetragen. Darüber hinaus erhielt man beim Befahren der landesüblichen Pisten eine kostenlose Ganzkörpermassage, die häufige Überquerung der Strassenwellen verhinderte das  Einschlafen.

Nach Ankunft in Dar erhielt unser Fahrer Abdullah einen verdienten Abschlussapplaus. Er hat auch die schwierigsten Strecken mit professionellen Fahrkünsten gemeistert. Trotz hoher Anspannung blieb er immmer gelassen, ruhig und freundlich.

Der Rest ist fuer heute schnell erzaehlt. Ca. 2 Std. Fahrt auf der Faehre. Nach 1 ½ Std. Land in Sicht. Eine Stadt mit  weissgetuenschten Haeusern taucht auf, uverkennbar arabischer Stil: Stone Town. Nach Ankunft chaotische Warteschlange an der Passkontrolle und Träger, die uns mit ihrer Entgeltforderung uebers Ohr hauen wollen. Um 19.15 Uhr (nach mehr als 13 Stunden Fahrt) endlich Ankunft im Hotel.Angenehme Temperaturen laden noch zu einem Abendessen im Freien ein.

Jürgen Dick

Kilwa, ein Tag fast ohne Busfahrt

Der Morgen hatte allerdings fuer einige eine unangenehme Ueberaschung auf Lager: Maji hamna. Die  Dusche verweigerte die Wasserspende. Nachdem  der Generator wieder lief, war das Problem geloest und nach dem Fruestueck konnte das Programm mit Roswithas Referat zur Geschichte von Kilwa Kisiwani beginnen. Ein zweiter Dulla erschien, der uns auf die Insel begleitete und dort als sachkundiger Guide (Führer) taetig wurde.

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Auf Kisiwani lebt heute eine groessere Anzahl unterschiedlich gefaerbter Ziegen. und etwa 1000 Personen.

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Auch eine Grund- und Koranschule gibt es. Fuer Touristen und Historiker spielen aber die Ruinen von grossen und kleinen Palaesten, Moscheen und anderer Gebaeude die grössere Rolle. Auf den Truemmerstreifen zwischen den Gebaeuden fielen  Keramikfragmente auf, sogar Scherben mit Dekor.

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Das noch in grossen Teilen erhaltene Aufgehende einschliesslich kuppelförmiger Dachkonstruktionen geben einen Eindruck ehemaliger Pracht. Dabei wirken die Gebäude mehr durch ihre Massivität als durch  Leichtigkeit und Eleganz. Erkennbar ist erstens, dass noch wesentlich mehr im Boden auf seine Entdeckung wartet und dass zweitens die Wohnhäuser der einfachen Bevölkerung wahrscheinlich aus vergänglichen Holzerdekonstruktionen bestanden, die wahrscheinlich nur noch im Befund nachweisbar sind. Nachmittags Kilwa Kivinje.

Christian Neumann & Gudrun Baumgartner

Der Lichte

Es war spät geworden. Schnell und unaufhaltsam näherte sich die gebieterische Nacht und warf ihr schwarzblaues Tuch über die kleinen afrikanischen Dörfer. Dem Tag dämmerte, dass es nun mal wieder so weit war das Zepter der Zeit weiterzureichen und die Geschicke bis zum neuerlichen Morgengrauen der nahenden Kontrahentin zu überlassen.

Ebenso wenig, wie die so verschwiegene Nacht ihm am Morgen berichtete was sich während seiner Abwesenheit ereignete, mochte er aber seinem Widerpart vom Tagesgeschäft zwischen Morgengrauen und Abenddämmerung berichten. So war es seit Anbeginn der Zeiten und so würde es auch bleiben im Wechsel zwischen Tag und Nacht.

Für sich selber aber ließ „der Lichte“, wie der Tag sich gern selber nannte, stets nochmal sein Tagwerk vor dem sonnengewöhnten Auge Revue passieren. Stolz blickte er dann auf Gelungenes oder erwog Besserungen, wenn er es für nötig erachtete. Diesem Montag, den 10. Oktober 2016 war er eigentlich wohlgelitten, doch bereiteten ihm die Protagonisten der kleinen Tansania-Exkursion ein wenig Sorgen.

Sie achteten nicht die Stunden des Tages. Am Abend saßen sie zusammen bis in das Refugium der Nacht und morgens lagen sie in den Betten der Hotels, als würden sie meinen, dass nur der frühe Wurm vom Vogel gefressen würde.

Auf diese Weise verzögerte sich die Abfahrt manches Mal um so wertvolle Tageszeit.

Dabei gab er sich so große Mühe. Für die heute anstehende Fahrt von Daressalam nach Kilwa hatte er nicht gescheut die aufwendigsten Kulissen bereitzustellen. Vom geschäftigen Treiben um sich scheinbar endlos aneinanderreihende Marktstände und Mikroshops im Randbezirk der Millionenstadt bis zu den Myarden von Bäumen und Büschen in jeglicher Art von Grün, teils schwer behangen mit Kokosnüssen, Bananen oder Mangos. Er konnte sich selbst kaum satt sehen an diesen Kulissen und Requisiten.

Die Gruppe aber hatte nur Augen für ihr Lunchpaket, über das sie sich mit bloßen Händen im schattigen Verschlag einer der so vielen typischen Lokale am Straßenrand hermachte.

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Selbst das Ziel der Reise, ein ästhetischer Höhepunkt im Schaffen des Tages, rang den Reisenden nicht die angemessene Wertschätzung ab.

Unter einem weiten Strohdach, rund um den Stamm eines mächtigen Affenbrotbaumes, für den es ein halbes Dutzend Studenten bedürfe ihn zu umfassen, erzählten sie zuerst von Geschichte und Gegenwart der indischen Diaspora in Tansania, von Sklavenhandel und Anti-asiatischer Politik.

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Vor dem daraufhin so romantisch-exotischen Bild der im indischen Ozean versinkenden Sonne, der finalen und schönsten Inszenierung die „der Lichte“ zu schöpfen vermag, berichteten sie dann noch über Aufbau und Herrschaft des deutschen Kolonialgebietes in Ostafrika.

Selbst als noch das letzte Glimmen auf den Spitzen der tänzelnden Wellen erlosch, hallten die studentischen Diskussionen zum „indirect rule“ noch durch den afrikanischen Busch.

„Der Lichte“ hatte seinen Frieden geschlossen mit dem Tagwerk und ahnte nichts mehr von der Buffetschlacht um einen Barracuda, die sich unter dem elektrischen Licht der Lodge entbrannte.

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Erst nach und nach erloschen die Lampen in den kleinen Häuschen am Strand von Kilwa. Und wenn der Tag sich nach dem Rückzug der Nacht wieder anschickt seine Arbeit aufzunehmen, wird sich zeigen ob dem frühen Wurm oder dem späten Vogel die Stunde schlagen wird. „Der Lichte“ hatte da bereits eine Vermutung…

Marco Petersen & Marc Geisler

Die „Blauetasche“ reist um die Welt

Heute sind wir bei Tag 9 angekommen und haben einige blaue Universitätstaschen bei offiziellen Terminen mit Präsenten überreicht.

Der Sonntag begann um 9:00 Uhr mit dem Stadtführer Mr. John Nguchiro, der uns durch Dar es Salaam führte. Vorab bekamen wir einen Schnellkurs in Kisuaheli:

„Habariani“ (Guten Tag)     –    „Nsuri“ (Guten Tag)

„Karibu“ (Willkommen)     –     „Asante“  (Danke)

„Jambo“ (Hallo)                  –     “Si jambo”  (Hallo)

Zu den vielen kolonialen Bauten an der Uferpromenade erklärte uns Mr. John: Die Deutschen sind nach Dar es Salam gekommen und haben strong buildings errichtet, die noch heute vom tansanischen Staat für administrative Zwecke genutzt werden.

Der nächste Halt, der Fischmarkt, war eine Freude für die Augen und eine Herausforderung für die Nase.

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Der Markt versorgt das gesamte Hinterland von Dar es Salaam. Gefischt wird traditionell mit kleinen Dhaus in der 5-Seemeilen-Zone. Bei der Verabschiedung von unserem Guide löste unsere „Blauetasche“ bei Mr. John große Freude aus. „Asante!!“

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Als nächstes informierte uns das Referat im Botanischen Garten über Nyereres System der Ujamaa.

Nach einer leider zu kurzen Souvenir-Shoppingtour ging unser dicht gedrängtes Programm schon weiter. Frau Dr. Regine Qualmann (Country Director Tanzania) empfing uns in den Räumen des GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) und erläuterte die vielfältigen Projekte in Tansania: Health, Water, Biodiversity, Substainable Energy und Regional Integration.

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Unser Fahrer Abdullah brachte uns mit unerschütterlicher Geduld durch den chaotischen Feierabendverkehr zur Universität von Dar es Salaam. Dort empfing uns Prof. Betram Mapunda, Archäologe und Historiker. Sein interessanter Power-Point-Vortrag zum Maji-Maji-Krieg (1905-1907) gegen die deutsche Kolonialherrschaft wurde zwar von einem der fast alltäglichen „power cuts“ unterbrochen, das tat dem Vortrag und der anschließenden Diskussion jedoch keinen Abbruch. Prof. Mapunda betonte, dass eine Rebellion nur gegen eine anerkannte Macht stattfinden kann, jedoch übten die Deutschen keine Macht in diesem Sinne aus. Der Maji-Maji-Krieg war also ein Krieg des Widerstandes.

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Unser europäischer Blick auf Afrika bekam heute von afrikanischer Seite mit diesen differenzierten Informationen einen ganz neue Perspektive.

„There is one truth and there is another truth

and you have to find the true truth.“

(Prof. Joseph Parcalaw, Vice Chancelor Makumira Universität, Arusha)

„Blauetasche“ – große Wirkung!!! Danke liebe Fernuni-Werbeabteilung!

 Barbara Traumann, Ute Kemmerling

Livingstone passed here.

Bagamoyo – einst Skalevenumschlagplatz, heute Touristen Hochburg. Am Morgen brachen wir von Morogoro auf und konnten nach 4 Stunden Fahrt in dem heutigen Naherholungsgebiet der Tansanier und beliebten Touristenort Bagamoyo wieder die Beine lang machen.
Die Travelerslodge, betrieben von einem Südafrikanischen/Deutschen Paar, bot uns eine wunderbare Stelle um das erste Referat des Tages von Ekkehard Thesen „Kollaboration und Elitenbildung in der britischen Kolonie Tanganyika“ zu hören.
Nach einem leckeren Snack brachen wir mit Roman, einem studierten Historiker vor Ort, zu einem historischen Stadtrundgang auf.
Nach 3 Stunden interessantem Spaziergang und einem maritimen letzten Rundgang über den belebten Strand, ließen wir uns zu dem zweiten Referat von Christian Neumann „Stadtentwicklung Draesalaams von der Kolonialzeit bis heute“ bei einem kühlen Getränk nieder.
Mit Stau und vielen Eindrücken von der Einfahrt in die Stadt eroberten wir das New Africa Hotel in Daresalaam um 19 Uhr.
Leider hatten wir einn Verlust zu beklagen, es handelte sich zum Glück „nur“ um den Koffer des Co-Exkursionsleiters Hendrik Lührs, der mit viel Nerven aufreibenden Aktivitäten aber dann doch noch gefunden wurde…in West-Tansania….

Patrizia Höfer

“Der Exkursionsfernunistudent

Während der Exkursionszeit bewegt sich der/die Fernunistudent/in meist in sitzender Haltung mittels landesüblicher Fortbewegungsmittel wie dem Toyota Coaster fort. Dabei versucht er/sie durch hektisches Winken aus den Fenstern, die Sympathien der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen. Nur selten verlässt er/sie sein angestammtes Habitat und durchstreift in aufrechter Haltung, meist im losen Rudel, die Gegend. In diesem Fall fällt er/sie durch Fotografieren und Konsultieren von Skripten auf. Ihr/sein Interesse gilt dabei vor allem alten Gebäuden und Ruinen, ohne dass sich die Forschung bis heute über die Ursache dieser Vorliebe einig wäre.

Der/die Fernunistudent/in ernährt sich während der Exkursionszeit von Frühstück, Crackern und Wasser; wenn er/sie Glück hat, gibt es manchmal auch pünktlich ein Abendessen. Dessen Konsum wird nicht nur bei den männlichen Exemplaren durch den Genuss von Gerstensaft begleitet.

Während der Exkursionszeit pflanzt sich der/die Fernunistudent/in nur selten fort, bedingt auch durch die gleichgeschlechtliche Unterbringung. Um dem drohenden Aussterben entgegenzuwirken, ist die Exkursionszeit daher schon seit längerem auf maximal zwei Wochen begrenzt.”

Zum Glück laufen nicht alle Exkursionstage ab, so wie in diesem Auszug aus einem gängigen Konversationslexikon beschrieben. Heute z.B. begann der Tag entspannt und nach einem gemütlichen Frühstück mit dem Vortrag von Henningway Bornmann zu Steuern und Zwangsarbeit als Mittel der wirtschaftlichen Erschließung der Kolonien. Nachdem wir u.a. über die behördlich geregelte Anwendung der Nilpferdpeitsche (!) unterrichtet worden waren, fuhren wir als nächstes zum Bahnhof Morogoro. Diese Infrastruktur wurde in den Jahren von 1905 bis 1912 von den deutschen Kolonialherren erbaut und ist immer noch aktiv, wie an den Anschlagtafeln zu ersehen war. Der nächste Postzug aus Dar-Es-Salaam wurde heute um 21.30 erwartet ….

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Nächster Programmpunkt war die Universität Sokoine, wo wir von Prof. Gabriel und Frau Imelda Gervas begrüßt wurden. Nach einem kurzen Rundgang stellte uns Gabriel Nzalayaimisi seine Fakultät „Agricultural Extension and Community Development“ vor. Prof. Nagel stellte im Gegenzug unsere Gruppe vor, worauf Herr Gabriels Kollege Dr Lwambali die Diskussion eröffnete. Am Ende einer sehr lebhaften Frage-und-Antwort-Runde äußerte Dr Lwambali großes Interesse an einem Ausbau der Zusammenarbeit mit der Fernuni Hagen. Unser Filmteam nutzte die Gelegenheit, ihn im Anschluss zu interviewen.

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Nach einem kurzen Zwischenstopp in Morogoro zum Essenfassen ging es auf halsbrecherischer Piste auf 1000 Meter Meereshöhe in die Uluguru Mountains nach Mgeta. Dort informierte uns Prof. Nzalayaimisi über die agrarwirtschaftliche Situation; es werden u.a. Hirse, Mais, Bohnen, Tomaten usw. angebaut. Das anschließende Referat von Gudrun Baumgartner zu Food Crops und Cash Crops passte hervorragend in die Umgebung und gab einen ergänzenden historischen Überblick.

Es folgte der zügige Abstieg zurück zum Hotel. Die schwierige Strecke wurde von unserem Fahrer hervorragend bewältigt; wir hatten lediglich einen halbstündigen Aufenthalt wegen einer defekten Benzintankhalterung, die aber ebenso professionell repariert wurde.

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Andreas Covi & Ekkehard Thesen

Eine lange Fahrt nach Morogoro

Der heutige Morgen hat uns Regen gebracht,
die Abfahrt war für 8 Uhr gedacht.
Eine lange Busfahrt vor uns stand,
ging doch die Reise wieder ins Hinterland.

Gegen halb 10 war in Muheza der erste Halt,
hier gibt es einen deutschen Bahnhof, 100 Jahre alt.
vom Regen nun mehr keine Spur,
Hatte man links und rechts freie Sicht auf Mensch und Natur.

Gegen 14 Uhr machten wir eine Pause vom Reisen.
An einem Rastplatz versorgten wir uns mit Getränken und Speisen.
Ob Kochbanane, Fleischspieß oder Chipsi Mayai,
für jeden war etwas Leckeres dabei.

Morogoro erreichten wir um halb sechs, das war noch nicht spät.
So hatten wir im Hotel noch ein nettes Gespräch mit Lehrenden der hiesigen Universität.

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Magdalena Kowalski & Birgit Niquice

Spurensuche in tansanischer Stadtgeschichte

Einer Zeitreise gleich gestaltet sich der Tag.

Der Beginn ist ein Fruestueck auf der ehemals kolonialen Terrasse des Mkonge Hotel in Tanga. Wir sind im Jahre 1910, und hier befindet sich das deutsche Verkaufskontor fuer Sisal. Gelegen ist es gegenueber der segelartig geformten Insel, die Tanga ihren Namen gab. Tanga heisst auf Suaheli “Segel”. Fuer die ostafrikanische Kueste waren die Dhaus (kleine Segelschiffe) das wichtigste Transportmittel.

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Weiter geht es mit kolonialer Architektur im Zentrum der Stadt. Wir besuchen die deutsche Bahnstation, und dort finden wir auch Relikte aus der Zeit des britischen Protektorates. Hier ging der Reisende der Usambarabahn 1919 nach Klassen getrennt aufs “stille Oertchen”.

Ein Bummel ueber die ehemalige Kaiserstrasse zeigt heute ein Gemisch aus modernen Geschaeftshaeusern und Ueberresten der alten Kolonialbauten.

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Mit dem Bus nur zwei Stunden Fahrt, aber in der Geschichte zeitlich weiter zurueck, erkunden wir  die kleine Kuestenstadt Pangani. Dort begegnen uns die arabischen Einfluesse, die die Kueste Tansanias nachhaltig kulturell  beeinflusst haben. Reich geschnitzte Tueren oeffnen hier den Blick zurueck ins 18. Jh.

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Die Ruinen von Tongoni fuehren uns auf unserer Zeitreise ins 15.Jh. Ueberreste einer Moschee weisen darauf hin, dass persische Kaufleute den Islam nach Ostafrika brachten.

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Tansania  ist gepraegt von der Vermischung der Kulturen. Am Abend im Mkonge Hotel 2016 bestellen wir indisches  Chapati, afrikanisches Bier und vegane Pizza.

Claudia Schüller & Roswitha Klee-Emmerich