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Die letzten ihrer Art: FernUni beendet die Ära dfn@home

Am 28.02. wird der Service dfn@home endgültig abgeschaltet. Den letzten verbliebenen Kunden wurde fristgerecht gekündigt – sie müssen sich jetzt andere Provider suchen.

Dabei war der @home-Zugang bei seiner Produktivschaltung im Jahre 1998 noch eine mittelschwere Sensation. Um das zu verstehen, müssen wir uns jedoch in eine Zeit zurück versetzen, in dem das heutige Highspeed-Datennetz – über das nebenbei noch telefoniert werden kann – noch blanke Phantasterei war. Stattdessen existierte ein (überwiegend analoges) Telefonnetz, über das die ersten Nerds zusätzlich und nebenbei Daten verschickten. Gralshüterin dieses Netzes war, als Nachfolgerin der Bundespost, die Deutsche Telekom. Und die rechnete getreu nach dem Motto „Strenge Rechnung, gute Freundschaft“ auf die Minute, nach Distanz und als Quasi-Monopolistin natürlich auch nicht zu knapp ab.

An der FernUni existierten zu diesem Zeitpunkt genau zwei Zugangstelefonnummern zum hiesigen Rechnernetz, und die für den Kunden entstehenden Kosten richteten sich wie bereits erwähnt nach der Telefon-Tarifstruktur. Bei dauerhaftem Netzverkehr konnte sich eine Wohnsitzverlegung nach Hagen zumindest finanziell durchaus lohnen.

Ankündigung des Netzzungangs zum Ortstarif im InFernU 2/98

Ankündigung des Netzzungangs zum Ortstarif im rz-InFernU 2/98

Das alles geriet mit der Ankündigung der FernUni im Spätsommer 1998 heftig ins Wanken, dass über den Telekom-Service uni@home zukünftig alle Beschäftigten und Studierenden zum City-Tarif ins Netz kommen würden – und zwar unabhängig vom jeweiligen Standort!

Der mit der Veröffentlichung des rz-InFernU einsetzende Feedback-Tsunami, hätte den zentralen Helpdesk beinahe weggerissen – nie wieder war die Nachfrage nach Zugangskennungen so hoch.

Der ersten Euphorie-Welle folgte indes auch direkt die Phase der Ernüchterung. Instabilitäten im System, die zeitweise zu tagelangen Totalausfällen führten, ließen auch weiterhin die Helpdesk-Telefone schrillen. Besonders ärgerlich war dabei der Umstand, dass die Telekom ihren (und unseren) Kunden auch dann Tarifeinheiten in Rechnung stellte, wenn das System mal wieder down war. Prinzipiell existierte hierfür zwar ein Recht auf Erstattung, der Schuld-Nachweis (manche Dinge ändern sich tatsächlich nie) war jedoch in jedem Fall vom Kunden zu erbringen. Das, und ein stetiges Kompetenz-Gerangel zwischen dem Support der Telekom und den Kolleginnen und Kollegen unseres Rechenzentrums, ließen die Sympathiewerte für uni@home wieder deutlich sinken.

Fast unmerklich kamen zudem bereits zu diesem Zeitpunkt erste Diskussionen auf, ob denn der von der Telekom angebotene Ortstarif tatsächlich noch soooo günstig wäre (der Markt war eindeutig in Bewegung geraten), so dass im Frühjahr 2001 die Ankündigung des DFN-Vereins, einen eigenen Zugangsservice unter dem Namen DFNZugang@home anzubieten, freudig begrüßt wurde. Knapp 3 Monate später war es dann soweit: Für schmale 2,48 Pfennig pro Minute und unter dem schnell noch in dfn@home geänderten Namen, wurde die neue Einheitsnummer von der Firma Talkline eingerichtet. Der gleichzeitig angedachte, werbeunterstützte Zugang für noch günstigere 2 Pfg./Min. wurde hingegen nie realisiert.

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Eine Ausgabe später war die anfängliche Euphorie schon deutlich abgekühlt.

 

Die neuen Marktgesetze bekam indes auch bald die Firma Talkline zu spüren, die sich bereits im Folgejahr aus der Festnetzsparte zurückzog und dfn@home der Firma Mediaways überließ. Die erweiterte das Angebot noch um ein paar DSL-Tarife, bevor sie selbst von Telefonica geschluckt wurden – richtig durchsetzen konnte sich das dfn@home-Providing jedoch nie mehr. Die Konkurrenz seitens der großen Telefonanbieter wurde zunehmend erdrückender, die Goldgräber-Stimmung im Festnetz-Dschungel war definitiv vorbei. Auch das Universitätsrechenzentrum trug dieser Tatsache Rechnung, indem es die Zugangsschwerpunkte zunehmend in den Aufbau sogenannter Virtual Private Networks (oder kurz VPN) verlagerte um dadurch heute jedem Teilnehmer, unabhängig von seinem Provider, die volle Service-Bandbreite zu ermöglichen.

Von daher ist es schon fast erstaunlich, dass von einstmals mehr als 5000 Teilnehmern immerhin noch 37 Benutzer übrig geblieben sind, für die das Kapitel am Ende dieses Monats nun auch definitiv zu Ende ist. Auch den Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze.

Thomas Feuerstack

2 Kommentare zu “Die letzten ihrer Art: FernUni beendet die Ära dfn@home”

  1. Heike Pagen sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren.
    Ich weiß nicht an wen ich mich wenden kann,also versuche ich es bei Ihnen.
    Ich habe vor 20 Jahren ein Seminar mitgemacht(Wirtschaft und Finanz Logistik).Mir sind leider die Unterlagen dazu abhanden gekommen.Vielleicht können sie mir da weiter helfen.
    Mit freundlichen Grüßen!

  2. Thomas Feuerstack sagt:

    hmm, ohne Garantie auf Korrektheit, aber ich würde es mal beim Prüfungsamt Wiwi (wiwi.pa@fernuni-hagen.de) probieren.

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